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Rolle von Populärkultur für die Kunst- und Kulturpolitik (7905/J)

27. Januar 2016

Anfrage

7905/J XXV. GP

Eingelangt am 27.01.2016
Dieser Text wurde elektronisch übermittelt. Abweichungen vom Original sind möglich.

Anfrage

 

der Abgeordneten Alm, Kollegin und Kollegen

an den Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien

betreffend der Rolle von Populärkultur für die Kunst- und Kulturpolitik

 

Seit den späten 70er-Jahren wissen wir, dass Populärkultur eine wachsende Bedeutung in kulturellen Aushandlungsprozessen einnimmt [vgl. z.B.: John Fiske (1989): Politik. Die Linke und der Populismus. Oder: Tom Holert (1996): Mainstream der Minderheiten. Pop in der Kontrollgesellschaft.]

Stuart Hall legte 1980 den Grundstein für unser Verständnis der Wirkungsweisen von Populärkultur: Die eigentliche Vermittlung von Sinn findet demnach weniger auf der inhaltlichen Ebene statt, als vielmehr in der endlosen zirkulären Kommunikation. „Sender“ bemühen sich demnach ihre Nachrichten in einer kanonisierten Form zu kodieren. „Empfänger“ dekodieren diese vor allem anhand erlernter Strukturen.
Kultur ist das kommunikative zirkulieren von Bedeutungen:

„Die unterschiedlichen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens erscheinen als in diskursive Gebiete aufgeteilt, als hiera rchisch in dominierende oder bevorzugte Bedeutungen organisiert. Neue, problematische oder irritierende Ereignisse, die unsere Erwartungen durchbrechen und unseren „Common-Sense-“ Konstruktionen, unserem allgemeinen Selbstverständnis sozialer Strukturen zuwiderlaufen, müssen ihren diskursiven Bereichen erst zugeordnet werden, bevor sie „einleuchten“. Die gebräuchlichste Art und Weise ihrer Verortung besteht darin, das Neue dem einen oder anderen Gebiet der bereits existierenden „Landkarten problematischer gesellschaftlicher Wirklichkeiten“ zuzuordnen“ [Stuart Hall (1980): Kodieren/Dekodieren. S.103]


 

Dieses Zirkulieren hat sich durch die Digitalisierung, Internationalisierung, Vernetzung, Aggregation und Konvergenz der medialen und kulturellen Diskurse, verkompliziert und beschleunigt. Vor dem Hintergrund der gegenwärtig aufkommenden radikalen Strömungen innerhalb der europäischen Gesellschaften wird deutlich, wie instabil diese Prozesse verlaufen und welche bedeutende Rolle Kultur bei ihrer Stabilisierung hat. Populärkultur ist dabei schon lange nicht mehr nur simple Unterhaltung. Sie stiftet dort kulturellen und individuellen „Sinn“, wo dies die klassischen Institutionen nicht mehr leisten.

Der direkte Zusammenhang und die übergangslose Vermischung von Populär- und Hochkultur wurde zuletzt wieder im Oktober 2015 eindrucksvoll deutlich, als Rainald Goetz den Georg-Büchner-Preis erhielt. Durch aktuelle Entwicklungen, wie den Verkauf der „Pratersauna“ (vgl. „NEWS“ am 12.01.2016), oder die Rationalisierungsmaßnahmen in der „Grellen Forelle“ (vgl. „Noisey“ am 13.08.2015) wird aber auch immer wieder klar, dass sich relevante Populärkultur nicht automatisch und jederzeit vollumfänglich am Markt monetarisieren lässt. Dennoch sind populärkulturelle Diskurse im Kulturbudget und den jährlichen Kunst- und Kulturberichten kaum abgebildet.

 

Aus diesem Grund stellen die unterfertigten Abgeordneten nachstehende

Anfrage:

1.     Welche Begriffe, bzw. welche Definition von Populärkultur, sind handlungsleitend für die Kulturpolitik Ihres Ressorts?

2.    Welche Perspektive hat Ihr Ressort auf die jüngere Entwicklung der Populär-kultur?

3.    Welches Verhältnis sieht Ihr Ressort zwischen Populärkultur und Politik?

4.    In welcher Rolle sieht sich die Kulturpolitik Ihres Ressorts, in Bezug auf die Förderung einer vielfältigen und vitalen Populärkultur?

5.    Welche Rahmenbedingungen und welche Art der Förderung sind Ihrer Meinung nach sinnvoll für die Entwicklung von Populärkultur?

6.    Welche erforderlichen Rahmenbedingungen einer vielfältigen und vitalen
Populärkultur, sieht Ihr Ressort grundsätzlich außerhalb Ihres kulturpolitischen Einflussbereichs?

7.    In welcher Höhe stellt das Kunst- und Kulturbudget 2016 Mittel für Populärkultur zur Verfügung?

8.    Nach welchen Kriterien definiert Ihr Ressort Populärkultur als förderwürdig?

9.    Inwiefern gleichen oder unterscheiden sich die Kriterien der Förderwürdigkeit von Populärkultur von jenen für klassische Kunst- und Hochkulturförderung?

10. Plant Ihr Ressort das Verhältnis der Förderung von Populärkultur im Vergleich zu Kunst und Hochkultur in den kommenden Jahren zu verändern oder soll es gleich bleiben und aus welchen Gründen?

11.  Wie bewertet Ihr Ressort die Reichweite und gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Populärkultur im Vergleich zu Hochkultur, bzw. Kunst, Laien-. bzw. Volkskultur, und der Pflege des kulturellen Erbes?

12. Welche Relevanz haben „Klubkultur“ und Konzertlokalitäten für die Kulturpolitik Ihres Ressorts?

13. Welche finanziellen Auswirkungen hat nach Einschätzung Ihres Ressorts die Steuerreform auf Projekte der Populärkultur?

14. Wie bewerten Sie die Rolle von Institutionen wie dem „Berghain“ in Berlin für die Kulturmetropole und wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang den Verkauf der Pratersauna?

15. Welche Rahmenbedingungen fehlen in Österreich, damit sich ein Klub ähnlicher ökonomischer und kultureller Bedeutung des „Berghain“ ansiedeln könnte?

16. Sehen Sie Möglichkeiten die Defizite des österreichischen Kulturstandortes in Bezug auf einen Technoklub von Weltrang durch kulturpolitische Maßnahmen zu kompensieren?

17. Wenn Sie jemand fragt wofür Sie stehen, was sagen Sie?

Beantwortung

bis 23.03.2016 erwartet
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