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Strafverfügungen gem. § 47b Eisenbahngesetz (1453/J)

Anfrage

1453/J XXV. GP

Eingelangt am 06.05.2014
Dieser Text wurde elektronisch übermittelt. Abweichungen vom Original sind möglich.

Anfrage

 

der Abgeordneten Mag. Beate Meinl-Reisinger, MES Kollegin und Kollegen

 

an die Bundesministerin für Inneres

 

betreffend Strafverfügungen gem § 47b Eisenbahngesetz

 

Schon seit längerer Zeit gibt es immer wieder Bestrebungen und Diskussionen darüber die Landesgesetze gegen Bettelei zu verschärfen bzw gar ein Bettelverbot einzuführen, um Bettler aus dem Stadtbild zu verdrängen. Zuletzt im Wahlkampf in Salzburg und aus aktuellem Anlass in der Gemeinde Krems (http://kurier.at/chronik/oesterreich/bettler-unter-generalverdacht/54.003.061 aufgerufen am 30.4.2014). Ein vom Land Steiermark eingeführtes absolute Bettelverbot wurde vom VfGH am 6.12.2013 (GZ: G64/11) aufgehoben, da dies gegen Art 10 EMRK verstoße und eine derartig ausnahmslose Regelung sachlich nicht gerechtfertigt ist. Auch in Salzburg wurde ein im LandessicherheitsG normiertes absolutes Bettelverbot aufgehoben (VfGH G155/10), da keine sachliche Rechtfertigung gem § 7 B-VG vorliege und der "Appell an die Solidarität und finanzielle Hilfsbereitschaft anderer" von der Kommunikationsfreiheit des Art10 Abs1 EMRK geschützt ist. Der Verfassungsgerichtshof hat damit klar gestellt, dass das sogenannte "stille" Betteln zulässig und auch von der EMRK und der Verfassung geschützt ist.

Im Standard-Artikel "Das Eisenbahngesetz und die Bettlerin" vom 12.12.2013 (http://derstandard.at/1385170875652/Das-Eisenbahngesetz-und-die-Bettlerin aufgerufen am 30.4.2014) berichtet der Jurist Mag. Ronald Frühwirth, dass eine Bettlerin wegen Verletzung des § 47b Eisenbahngesetz eine Strafverfügung erhielt. Dies obwohl sie "still" bettelte, sich also entsprechend dem in dem Fall anwendbaren Wiener Landes-Sicherheitsgesetz verhielt. Der Aufgriff und die Strafverfügung der Bettlerin wurde unter Mitwirkung der Polizei vollzogen. Es wird berichtet, dass das erbettelte Geld in diesen Fällen regelmäßig für verfallen erklärt wird. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich hierbei nicht um einen Einzelfall handelt, sondern mit der Anwendung des EisenbahnG die Zulässigkeit des "stillen" Bettelns in U-Bahn-Stationen systematisch unterwandert wird. Eine solche Vorgehensweise zieht die Menschlichkeit und Solidarität unserer Gesellschaft in Zweifel.

 

Aus diesem Grund stellen die unterfertigten Abgeordneten nachstehende

Anfrage:



1.    An wie vielen Aufgriffen von Bettlern in U-Bahn-Stationen waren Polizisten beteiligt?

2.    Wie oft wurden Strafverfügungen nach dem Eisenbahngesetz von Polizisten erlassen?

3.    Wie oft wurde im Rahmen der Strafverfügung der erbettelte Betrag für verfallen erklärt?

4.    Wie viele Bettler sind nach Einschätzung des BMI derzeit in Österreich aufhältig?

5.    Halten Sie die Bestrafung von Bedürftigen, die "still" betteln für gerechtfertigt?

6.    Wenn nein: Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, um Bestrafungen nach dem Eisenbahngesetz in Zukunft zu verhindern?

 

 

Beantwortung

03.07.2014
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