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Causa Burgtheater: Aufklärung und Verantwortung

Die Causa rund um die Suspendierung und Entlassung der Stv. Direktorin des Burgtheater Silvia Stantejsky wirft eine ganze Reihe an Fragen auf.

Erstens geht es um die Entlassung selbst. Aus welchen Gründen wurde sie getätigt? Wieso hat sich auf Stantejskys Privatkonto ein 5-stelliger Euro Betrag aus dem Burgtheater-Budget gefunden, wie das das Profil berichtet? In mehreren Medien war zu lesen – gestützt auf Aussagen von Bundestheater-Holding Chef Georg Springer sowie Burgtheater Direktor Matthias Hartmann – Stantejsky habe sich nicht selbst bereichert. Stimmt, was Stantejskys Anwältin dem Profil gegenüber sagt, nämlich, dass es sich bei der Überweisung des Betrags auf Stantejskys Privatkonto um eine Rückzahlung handelt von Beträgen, die Stantejsky selbst dem Burgtheater vorgestreckt habe? Dies wäre unglaublich: eine stellvertretende Direktorin borgt also einer öffentlich subventionierten Institution Geld? Was sagt das über die Liquiditätssituation des Hauses am Ring aus? Was ist mit dem Vier-Augen Prinzip im Burgtheater? Selbst wenn es so ist, wie kann die Verantwortung hier allein bei Stantejsky liegen?

Interessant jedenfalls, dass von Seiten der sonst oft so kämpferisch und lauten Personalvertreter kein Sterbenswörtchen zu vernehmen war. Interessant weiter, dass das Ensemble des Burgtheaters sich hinter Stantejsky stellt.

Davon abgesehen wirft diese Causa nun auch Licht auf die budgetäre Situation des Burgtheaters. Hartmann und Stantejsky selbst haben wiederholt auf die schwierige finanzielle Situation hingewiesen. Was ist da los?

Der Geschäftsbericht 2011/2012 weist einen „nicht liquiditätswirksamen Jahresfehlbetrag“ von 3,7 Millionen Euro aus. Die neuen Abschlussprüfer hätten eine neue Abschreibungsmethode gefordert. Angeblich haben die neu bestellten Abschlussprüfer von PwC unter anderem mehrjährige Abschreibungen etwa von Bühnenbildern – über die Dauer der Spielzeit hinaus – nicht akzeptiert. Hier sei der § 204 UGB erwähnt:

 § 204. (1) Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten sind bei den Gegenständen des Anlagevermögens, deren Nutzung zeitlich begrenzt ist, um planmäßige Abschreibungen zu vermindern. Der Plan muß die Anschaffungs- oder Herstellungskosten auf die Geschäftsjahre verteilen, in denen der Vermögensgegenstand voraussichtlich wirtschaftlich genutzt werden kann.

Zudem wird spekuliert, dass die Jahresbilanz 2012/13 ein Defizit von 10 bis 12 Millionen Euro aufweisen wird. Matthias Hartmann hat hierzu nicht Stellung genommen. In Kürze veröffentlicht der Rechnungshof einen Bericht zur Bundestheater Holding. Begrüßenswerterweise überlegt er nun auch eine Prüfung des Burgtheaters.

Das Parlament und somit die Bürgerinnen und Bürger haben das Recht auf volle Aufklärung. In allererster Linie ist hier der neue Kulturminister Josef Ostermayer gefragt, dem Kulturausschuss Antworten zu geben. Zusätzlich ist es mein Wunsch als Vorsitzende des Kulturausschusses, dass die Direktoren Springer und Hartmann im Rahmen eines ehestmöglichen Termins des Kulturausschusses als Auskunftspersonen Gelegenheit bekommen, die Angelegenheit gegenüber den Volksvertretern darzulegen. Entsprechende Aufklärung liegt im Interesse eines selbstbewussten Parlaments.

Politisch wirft die Causa aber noch eine andere Frage auf: Eine der wesentlichsten Aufgaben der Bundestheater Holding liegt im konzernweiten Controlling und der konzernweiten Revision. Die nun zu Tage tretenden Unregelmäßigkeiten bringen den Anschein mit sich, dass diese Kontrolle nur unzureichend ausgeführt wurde. Da stellt sich die Frage, ob es einer solchen Holding Konstruktion überhaupt bedarf. Die Bundesmuseen kommen ohne Holding-Konstruktion aus. Wir werden diese Frage in den nächsten Wochen prüfen.