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Das Risiko, zu blühen

Eineinhalb Tage ausgesetzt; einen Monat kein Blogbeitrag. Gibt es mich noch? Ein Blick in meine Mailboxen – die gehen über; bin also noch da. „Muss nur noch schnell die Welt retten.“ Projekt in Arbeit. 100 Tage NEOS – was ist geschehen? Wir wachsen, wir bewegen, wir beben. Es sprudelt an allen Orten: von Bürger_innenforum in Salzburg, über Infoabend in Shanghai, Tupperabend in Brunn am Gebirge bis hin zu Diskussionen über Spendentransparenz auf Facebook & Twitter.

Man kann es in Zahlen gießen: bereits über 50 Infoabende, Jahresauftakte und Stammtische, über 40 Tupperabende, über 1.000 Follower auf Twitter, 2.800 Likes auf Facebook, 160.000 Euro an Spenden, 300 m2 Büro, 20 köpfiges operatives Kernteam, über 250 Mitglieder, über 1.250 motivierte Freunde, die mitanpacken … Und, was heißt das? Was bringt es? Und reicht es?

Was es bringt, werden wir sehen. Was es heißt, auch. Ob es reicht? Ja, es reicht – jedenfalls dafür, eine geballte Ladung an Lust, Lebendigkeit und Zuversicht in einen depressiven Ort namens „Politik“ zu bringen. Frischer Schwung. Ein Erblühen. Aber ja, eine Blüte ist noch keine Frucht. Daher: Wir sind mitten drin. Alles im Fluss, alles in Bewegung. Jetzt wollen wir mal üppig blühen. Dann werden die Früchte von allein kommen. Soviel Vertrauen haben wir.

Wenn ich von den Fortschritten von NEOS berichte, dann fassen Freunde und Verwandte oft nach. „Und dir, wie geht es dir, ich meine persönlich?“. Ja, wie geht es mir, also mir persönlich? Kurze Antwort: „Gut. Bin noch verheiratet.“ Lange Antwort: „Gut, sehr gut – unterm Strich, nicht immer …“ Ja, es gibt die seltenen Stunden des Zweifels. Es gibt diese uferlos anstrengenden Tage, wo ich mich am Ende frage, was das jetzt wohl war. Es gibt diese unendliche Kette an Abendveranstaltungen, die mich erst mitten in der Nacht nach Hause schicken. Es gibt diese Mailboxen, diese Facebook-, Twitter- und Xing-Accounts, deren fächerförmiges Sprudeln mich manchmal an die Wand drückt. Es gibt die Wochenenden, die uns früher als Familie heilig waren und heute oft mit Terminen durchlöchert sind.

Es gibt die Momente, wo ich spüre, dass ich Gefahr laufe, die Erdung und die Mitte zu verlieren. Dann setze ich Schnitte. Dabei hilft: Ich ruhe in der Überzeugung, das Richtige entschieden und getan zu haben und zu tun. Der innere Ort, von dem aus die Dinge ihren Lauf nehmen, ist unverändert klar. Selbstgewähltes Schicksal – in Freiheit und Verantwortung. „Und es kam der Tag, da das Risiko, in der Knopse zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko, zu blühen.“ (Anais Nin)