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Die Jungen haben in Österreich kein Leiberl

Diese Woche hat die Bertelsmann Stiftung eine Studie zum Thema Generationengerechtigkeit in OECD Staaten vorgelegt. Fazit: Österreich ist kein generationengerechtes Land. Die junge Generation hat kein Leiberl in Österreich.

In diversen Bereichen wurde untersucht, wie sehr die älteren Generationen in Österreich gegenüber den Jungen bevorzugt werden. Insgesamt liegt Österreich nur auf Platz 20 von 29.Besonders schlecht sieht es aus, wenn man die öffentlichen – sozialstaatlichen – Ausgaben für die ältere Generation im Vergleich zu Ausgaben für Jungen ansieht: Österreich landet am 9.letzten Platz – die Verzerrungen zu Lasten der Jungen sind also hoch.

Das wundert nicht: Die Ausgaben für Pensionen etwa steigen von Jahr zu Jahr und werden 2050 für die ASVG-Pensionisten_innen 14,2% des BIP ausmachen. 12,5 Milliarden Euro hat der Staat 2011 zugeschossen, um die Finanzlöcher bei den Pensionen zu stopfen. Gleichzeitig soll laut Budgetplan von Finanzministerin Maria Fekter das Budget für Schulen bis 2017 um 3,5% steigen – angesichts von erwarteten Inflationsraten von über 2% kann man also von einer realen Budgetkürzung sprechen.

Die Studie gibt klare Empfehlungen ab: Investieren in frühkindliche Bildung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und – das ist wohl der kontroversiellste Vorschlag – ein Familienwahlrecht.

Anfang Mai wird ein Buch des jungen PR-Mitarbeiters Bernhard Winkler erscheinen: „So nicht! Anklage einer verlorenen Generation“. Winkler prangert darin an, dass die Politik keine Ideale mehr habe und sich nicht um die Perspektiven der Jungen, wie Bildungspolitik, Jobsuche oder Altersvorsorge kümmere. Der wütende Aufschrei eines jungen Menschen wundert nicht. „Politiker, Ihr raubt uns die Zukunft!“, schreit Bernhard Winkler hinaus und das müssten viel mehr junge Leute tun.

In der Bildungspolitik herrscht ein unerträglicher Stillstand. Während ÖVP und SPÖ noch Jahrzehnte streiten werden, ob Gesamtschule ja oder nein, werden jungen Menschen die Perspektiven geraubt. Wenn mehr als ein Viertel der Schüler_innen, die die Pflichtschule verlassen, nicht sinnerfassend lesen können, so ist „beschämend“ ein zu mildes Wort für das Versagen der Politik.

Bei den Pensionen muss endlich Klartext geredet werden. Die heute Unter-50-Jährigen werden vergleichsweise nicht mal die Hälfte aus dem Pensionssystem rausbekommen.(siehe Blog Beitrag von Matthias Strolz „Willst Du im Alter im Mistkübel stochern?“)

Und: diese Generation ahnt, dass sie die Lastenträger des Systems sind. Sie spürt, dass da drei schwere Säcke auf ihren Schultern liegen.

Ein Sack ist die Belastung durch die von ihnen zu leistenden Steuern und Abgaben, die die aktuellen Pensionen finanzieren.

Der zweite Sack ist die Belastung für die eigene  Zukunftsvorsorge, denn es dämmert, dass wir auf eine massive Altersarmut zusteuern.

Der dritte Sack sind die Belastungen, die aufgrund von Ausgaben in der Vergangenheit aber auch jetzt noch, der jungen Generation umgehängt wird. Die Staatsschulden sind in den letzten Jahren laufend gestiegen und belaufen sich derzeit auf etwa 75% des BIP. 178.000 Euro sind das pro Kind in Österreich 2011 gewesen. Der Budgetplan sieht eine Reduktion auf 67% bis 2017 vor. Das ist immer noch 7 Prozentpunkte von der Maastrichtgrenze von 60% entfernt. Diese Belastungen rauben die Zukunft, sie engen den Handlungsspielraum für die junge Generation so bedeutend ein, dass der Aufschrei noch viel lauter werden sollte.

Es muss sich was ändern! Schreit es hinaus! Ohne euch wird sich nichts ändern!