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Die Zeit ist reif!

Ich bin hier im Rheintal gerade aus dem Flugzeug gestiegen – noch sechs Tage bis zur Wahl. Eine letzte Tour durch Österreich. Was für ein Land! Friedliches Morgenerwachen in den Tälern und Städten, der glitzernde Schnee auf den Bergspitzen, der Bodensee bei der Landung wie eine überdimensionale Ansichtskarte. Was für ein Ort zum Leben!

Ja, um das Leben geht’s. Politik ist der Ort, wo wir uns ausmachen, wie wir miteinander leben. Und Wahlen sind in unseren Demokratien die wichtigsten Dreh- und Angelpunkte für die Frage, wie es weitergehen soll. Wie soll es aus Deiner Sicht also weitergehen mit Österreich?

Meine Gedanken dazu:
Wir leben in einer VUKA-Zeit. Alles scheint volatil, unsicher, komplex und ambivalent zu sein. Die Herausforderung dabei ist, entscheidungs- und handlungsfähig zu bleiben. Das gilt für jeden und jede von uns. Und das gilt ebenso für die Politik.

Um in VUKA-Zeiten nicht im Chaos, im Zynismus oder im Burn-out zu versinken, braucht es unternehmerischen Esprit. Auch und gerade in der Politik. Die Komponisten und Taktgeber, die wir für eine gute gesellschaftliche Weiterentwicklung brauchen, sind politische Entrepreneure. Politische Unternehmer, nicht Unterlasser. Sie handeln entlang dem Motto von Mahatma Gandhi: „We must be the change we wish to see in the world.“

Politische Entrepreneure spüren ihre Mission, sie haben Vision und sie sind tatkräftige Umsetzer. Sie steigen mit dem Mut und dem Enthusiasmus des Pioniers in den Ring, um den Wettbewerb um die besseren politischen Lösungen auszurufen. Es geht um die Entschlossenheit und die Fähigkeit, neue Ideen und Erfindungen in erfolgreiche soziale Innovationen umzusetzen. Dazu braucht es ungestüme Beharrlichkeit, Bereitschaft zum Risiko, Freude am Tun und das Feuer der sachlichen Leidenschaft. Allesamt Merkmale, die in der „strukturellen DNA“ der etablierten Player und Institutionen über die Jahrzehnte größtenteils ausgewaschen wurden.

Deswegen ist die Zeit reif für etwas Neues. Die altehrwürdigen Parteien und Institutionen werden nicht morgen zusammenbrechen, doch viele von ihnen sind von ihrem Lebenszyklus her bereits in der beginnenden Auflösung. Sie sind unser Steinbruch für das Neue. Also, greifen wir hinein und nehmen wir beherzt mit, was entlang der Bedürfnisse der Zeit noch hilfreich erscheint.

Die Welt zum Positiven verändert haben stets die Neugierigen, die Wagemutigen, die Nicht-Aufgeber. Nicht die Nörgler, Zauderer, Zyniker oder Ignoranten – sondern jene, die wissen und erleben wollten, wie es anders gehen kann. Wir trauen der Politik auch deswegen nicht, weil wir uns selbst zu wenig (zu-)trauen. Politik kann auch anders sein, als wir sie derzeit erleben. Davon bin ich überzeugt. Deswegen: Zeigen wir Mut!