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„DIE TEIL­PEN­SI­ON“ ODER „WIE HAPPY HUND­STOR­FER DIE RE­PU­BLIK AM SCHMÄH FÜHRT“

09.07.2015 Gerald Loacker

Schon bei der Er­ar­bei­tung des Re­gie­rungs­pro­gramms galt sie als gro­ßer Wurf: Die Teil­pen­si­on. Dem­entspre­chend fei­ert sich So­zi­al­mi­nis­ter Rudi Hund­stor­fer für den jetzt vor­lie­gen­den Ent­wurf zur Ein­füh­rung einer Teil­pen­si­on: Also sol­len äl­te­re Ar­beit­neh­mer ab 62 nur noch in Teil­zeit ar­bei­ten, dafür be­reits einen Teil der Pen­si­on be­zie­hen.

Diese „Teil­pen­si­on“ ist al­ler­dings blan­ker Eti­ket­ten­schwin­del. Sie ist näm­lich nichts an­de­res als eine Va­ri­an­te der bis­he­ri­gen Al­ters­teil­zeit, die den Un­ter­neh­men statt 90% Kos­ten­er­satz wie bei der kon­ti­nu­ier­li­chen Al­ters­teil­zeit nun­mehr 100% Kos­ten­er­satz bie­tet. Ein Ver­gleich:

  Teil­pen­si­on (TP) Al­ters­teil­zeit (ATZ)
Geld an den Ar­beit­neh­mer vom Ar­beit­ge­ber di­rekt Ar­beit­ge­ber di­rekt
Kos­ten­er­satz an den Ar­beit­ge­ber vom AMS AMS
Höhe des Kos­ten­er­sat­zes durch AMS 100% 90%
Höchst­dau­er 5 Jahre (3J TP plus 2J ATZ) 5 Jahre
Nied­ri­ge­re Pen­si­on wegen frü­he­ren Pen­si­ons­an­tritts (Ab­schlä­ge) Nein Nein

 

An der Teil­pen­si­on ist nichts neu. 100%-igen Kos­ten­er­satz bei Al­ters­teil­zeit hat es in den An­fän­gen der Al­ters­teil­zeit schon ein­mal ge­ge­ben. Wozu denn das Ganze? Wem nützt die Ak­ti­on:

  • Un­ter­neh­men, die Mit­ar­bei­ter bis zum Alter von 65 bis­her in Al­ters­teil­zeit be­hal­ten haben, kön­nen künf­tig statt­des­sen eine Teil­pen­si­on ver­ein­ba­ren. Damit re­du­zie­ren sich die Mehr­kos­ten einer Al­ters­teil­zeit-Lö­sung für das Un­ter­neh­mer von 10% auf null.
  • Ar­bei­ter­kam­mer und ÖGB haben sich durch­ge­setzt, denn sie woll­ten ver­hin­dern, dass für eine vor­zei­tig be­zo­ge­ne Teil­pen­si­on auch Ab­schlä­ge von der Pen­si­ons­hö­he be­rech­net wer­den.
  • Der So­zi­al­mi­nis­ter ist der große Sie­ger. Denn ein „Teil­pen­sio­nist“ zählt in der Sta­tis­tik nicht als Pen­sio­nist, son­dern als Er­werbs­tä­ti­ger. Und Rudi Hund­stor­fer wird uns wie­der Sta­tis­ti­ken zei­gen, die ein stei­gen­des Pen­si­ons­al­ter vor­gau­keln.

Über­haupt nichts haben von die­ser Re­form aber we­sent­li­che In­ter­es­sen­ten an einem funk­tio­nie­ren­den Pen­si­ons­sys­tem:

  • Frau­en pro­fi­tie­ren schon des­we­gen gar nicht, weil für sie nach wie vor das Re­gel­pen­si­ons­al­ter 60 gilt. Teil­pen­si­on gibt es ab 62 Jah­ren.
  • Männ­li­che Ar­beit­neh­mer pro­fi­tie­ren des­we­gen nicht, weil es für sie kei­nen Un­ter­schied macht, ob sie ab 62 in Al­ters­teil­zeit oder in Teil­pen­si­on sind.
  • Der Fi­nanz­mi­nis­ter zahlt drauf, weil er die Mehr­kos­ten tra­gen muss, die ent­ste­hen, weil Ar­beit­neh­mer in Teil­pen­si­on statt in Al­ters­teil­zeit sind.
  • Die Jun­gen dür­fen die Mehr­kos­ten in Form von hö­he­ren Schul­den und hö­he­rem Zin­sen­dienst tra­gen.

So­zi­al­mi­nis­ter „Happy Rudi“ Hund­stor­fer hat wie­der ein­mal die ganze Re­pu­blik am Schmäh ge­führt. Und er scheint mit sei­ner Tak­tik Recht zu haben: Sie geht ja auf.