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Ein ökonomischer Irrweg: Die Arbeitszeitverkürzung

15.02.2015 Gerald Loacker

Im letzten Sozialausschuss haben die Grünen einen Antrag auf Verteuerung von Überstunden eingebracht. Sie möchten damit die durchschnittlich geleistete Wochenarbeitszeit um circa 5 Stunden senken. Man verspricht sich davon eine verringerte Arbeitslosigkeit.

Leider ist es ein grundsätzlicher Denkfehler, zu glauben, die Arbeitszeit in einem Land sei eine fixe Größe und ließe sich in beliebigen Portionen unter den Menschen verteilen. Der Logik der Grünen folgend, ließen sich diese jeweils eingesparten 5 Stunden pro Woche einfach von sieben verschiedenen Arbeitnehmer_innen zusammenfassen und daraus ein neuer Arbeitsplatz basteln.

Das klingt wie ein reichlich missglücktes Backrezept: Man nehme 5 Stunden Vertriebsleitung einer mittelständischen Druckerei und 5 Stunden Beratungsservice der Mietervereinigung. Beides herzhaft vermengen und unter Rühren jeweils 5 Stunden Friseurtätigkeit und Paketauslieferung hinzufügen. Das entstandene bunte Gemisch circa eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Danach in eine feuerfest Form geben und jeweils 5 Stunden Arbeitszeit einer Marketingexpertin und eines Kindergärtners großflächig verteilen. Zu guter Letzt das Topping in Form von 5 Stunden Arbeitszeit einer jungen Unternehmensgründerin hinzufügen. Bei mittlerer Hitze im Ofen backen lassen, bis die Unternehmensgründung in der Kindergartenarbeit vollständig zerflossen ist.

Wer so denkt, hat etwas Zentrales nicht verstanden: Arbeit ist nicht beliebig teilbar. Wir leben in einer modernen Welt, in der die meiste Arbeit sehr spezialisiert ist und nicht einfach für 5 Stunden in der Woche von jemand Anderen erledigt werden kann.

Überstunden werden in Österreich vor allem in akademischen Berufen und von Führungskräften geleistet, während der Großteil der Arbeitssuchenden einen Pflichtschulabschluss hat. Wie ein Arbeitssuchender sieben verschiedene Jobs in der Woche in sieben verschiedenen anspruchsvollen Positionen erledigen soll, können die Grünen nicht erklären.

Als NEOS ist uns das Suchen des Gemeinsamen sehr wichtig. Wir wollen konstruktiv mit den anderen Parteien zusammenarbeiten. Die Grünen und uns eint das Ziel, mehr Menschen in Arbeit zu bekommen. Aber wir als NEOS müssen den Grünen auch zeigen, weshalb sie mit ihren Ideen auf einem ökonomischen Holzweg sind.

Denn wer wirklich mehr Menschen in Arbeit bringen möchte, muss an ganz anderer Stelle ansetzen.

Beispiel Abgabenlast: Die Kosten für Unternehmen, eine Arbeitnehmer_in einzustellen, sind horrend: Sollen auf dem Konto der Arbeitnehmer_in in Wien monatlich 1.200 € als Nettolohn ankommen, so muss der Arbeitgeber mit Gesamtkosten von 2.425 € rechnen. Das entspricht, obwohl es sich um ein durchschnittliches Einkommen handelt, einer Belastungsquote von über 50%. Nach einer Studie entstehen neue Arbeitsplätze in Österreich vor allem bei jungen Unternehmen. Für 2014 werden 200.000 neue Jobs den Neugründungen des Vorjahres zugerechnet. Diese jungen Unternehmen und Start-Ups tragen also unseren Arbeitsmarkt weitaus stärker als gedacht. Und gerade ihnen machen wir es mit einer extrem hohen Abgabenlast besonders schwer. Die Abgabenlast, vor allem bei kleinen und mittleren Einkommen, muss sinken. Entsprechend haben wir als NEOS ein umfassendes Steuerreform-Konzept erarbeitet, bei dem wir die besten Ideen aus Europa zusammengetragen und es mit führenden Experten durchgerechnet haben. Gerade für junge Unternehmen muss es einfacher und kostengünstiger werden, neue Jobs zu schaffen. Denn dort liegt enorm viel ungenutztes Potenzial für den Arbeitsmarkt. Das wäre das beste und nachhaltigste Arbeitsmarktprogramm für Österreich.

  • Lorenz Hinterauer

    Potential nutzen.