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Entwicklungshilfe im Kosovo

Obwohl mit Mantel, Haube und Schal ausgestattet, ist mir kalt. Der Vorraum in dem wir dicht gedrängt zusammenstehen ist unzureichend, mit uralten Elektrostrahlern geheizt. Wir befinden uns in einer von der ADA (Austrian Development Agency) mitfinanzierten Bildungseinrichtung in Fushe Kosove, einem Vorort Pristinas. Während uns die Räumlichkeiten gezeigt werden, bemitleide ich bereits nach zwei Minuten die Kinder, die hier täglich lernen und spielen. Sie selbst sind von der Kälte aber scheinbar unbeeindruckt. Rund um uns tummeln sich etwa vierzig Kinder in vier kleinen Räumen. Manche von ihnen spielen, andere zeichnen, wieder andere lernen in kleinen Gruppen. Pflichtschulen sind in Teilen des Kosovos massiv unterfinanziert und vollkommen überlastet. Es mangelt an Geld, Lehrern und Infrastruktur. Teilweise wird daher im Schichtbetrieb unterrichtet. Manche Kinder gehen vormittags zur Schule, andere nachmittags. Deshalb sind zusätzliche Betreuungsangebote gerade für sozialschwache Gruppen dringend notwendig.

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Jene Kinder, die hier unterrichtet werden, sind hauptsächlich Ashkali und Roma. Diese Minderheiten gehören zu den ärmsten Bevölkerungsschichten im Kosovo. Dementsprechend verwahrlost ist das Viertel in dem wir uns befinden. Obwohl die meisten Häuser bewohnt zu sein scheinen, sind sie allesamt heruntergekommen und halb zerfallen. Die Straßen bestehen aus Schlamm, Abfall und Schlaglöchern. Von der Regierung bekommen die Menschen hier kaum Unterstützung wird uns erzählt. Ohne Entwicklungshilfe und internationale NGOs würde die Lage vollkommen hoffnungslos sein. Die ADA setzt sich nach Kräften ein. Bildung ist ein historisch gewachsener Kernbereich ihrer Bemühungen im Kosovo. Das hängt stark mit Erhard Busek zusammen. Mitte der 1990er hat dieser die österreichischen Universitäten für Studenten aus dem Kosovo geöffnet. Damit hat er der heutigen Elite des Landes die Möglichkeit geboten ihr Studium auch während des Krieges in der Heimat fortzuführen. Seitdem engagiert sich Österreich intensiv im Kosovo. Das aktuelle Jahresbudget der ADA beträgt knappe 3 Millionen Euro. Angesichts des Eindrucks den die Schule bei mir hinterlassen hat, sollte man diese Mittel aber durchaus aufstocken. Der Kosovo ist ein zentraler Partner Österreichs und Bildungsinvestitionen sind in diesem Umfeld immer sinnvoll. Die Errichtung und Erhaltung zusätzlicher Bildungseinrichtungen, sowie der Aufbau von Austauschprogrammen wären aus meiner Sicht sinnvolle Maßnahmen, um den Kindern in Fushe Kosove Perspektiven für ihr weiteres Leben zu bieten.
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Neben dem Bildungsbereich engagiert sich die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit im Kosovo außerdem in den Bereichen Demokratisierung und Wirtschaftsentwicklung, vor allem für Klein- und Mittelbetrieben. Gerade in diesem Sektor ortet man hohes Potenzial um die lokale Wirtschaft in Schwung zu bringen und die Armut zu senken.

Lokale Unternehmer müssen dazu ein erfolgsversprechendes Geschäftsmodell vorlegen können, selbst einen Teil der Finanzierung aufbringen und nachweisen, dass sie vor Ort Arbeitsplätze schaffen. Unterstützt wird eine breite Palette an unterschiedlichsten Betrieben. Dass wir ausgerechnet eine Molkerei besuchen, amüsiert meine Kollegen, da ich selbst vor meinem politischen Engagement lange Zeit bei Danone Geschäftsführer war. Mit durchaus geschultem Auge fällt mir daher auf den ersten Blick die sehr saubere und moderne Produktionsanlage auf. Der Besitzer führt uns durch die Anlage und berichtet stolz, die Produktion dank österreichischer Hilfe auf 1000 Liter Milch-Einkauf gesteigert zu haben. Eine durchaus beachtliche Menge für einen Kleinbetrieb.

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Neben ihm werden noch knapp einhundert weitere landwirtschaftliche Kleinbetriebe gefördert, was zur Schaffung  von fast eintausend Arbeitsplätzen in der Region beigetragen hat. Ein wesentlicher Faktor in einer Region die unter horrender Arbeitslosigkeit leidet. An dieser Stelle möchte ich der ADA ein generelles Lob aussprechen. Sowohl deshalb, weil die Projekte vor Ort höchst sinnvoll und bereichernd sind, als auch weil mir durchaus bewusst ist mit welche knappen Mitteln dies bewerkstelligt wird.