9 Sofort-Maßnahmen zum Schutz der Kinder und Jugendlichen

NEOS haben einen 9-Punkte-Notfallplan für Kinder- und Jugendliche ausgearbeitet, der die Krise der Kinder- und Jugendgesundheit im Schatten der Pandemie eindämmen soll.

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Es müssen umgehend die notwendigen Therapie- und Betreuungsplätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie geschaffen werden, damit jedes Kind und jede_r Jugendliche sofort die angemessene Hilfe erhält, die er oder sie braucht. Die akute Krisensituation verschärft jedoch nur einen Mangel, der bereits vorher bestand. Es braucht im niedergelassenen Bereich und hier insbesondere in ländlichen Gebieten dringend mehr Kinderärzt_innen und Fachpersonal in der Kinder- und Jugendmedizin, auch in unterschiedlichen Sprachen. Die umfassende medizinische Betreuung von Kindern und Jugendlichen muss in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht zu jeder Zeit garantiert sein – alles andere ist für ein Land wie Österreich unzureichend.


Die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit leistet im Alltagsleben der Betroffenen das, was die Politik nicht kann. Die Mitarbeiter_innen leisten Hilfe vor Ort, oft in mobiler Form oder im Rahmen von Parkbetreuung, sodass Kinder und Jugendliche mit familiären, schulischen, Suchtproblemen und vielen anderen Herausforderungen direkte Ansprechpersonen haben, die ihnen Hilfe, Rat und Schutz bieten. Diese außerschulische Jugendarbeit ist chronisch unterfinanziert und unterbesetzt, es braucht hier eine dauerhafte finanzielle Absicherung von Seiten der jeweiligen Gemeinden und Bundesländer sowie einen deutlichen Ausbau und Anreize, um in diesem Bereich tätig zu sein.


Die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe sind zwar durch Hotlines, E-Mail-Postfächer und persönliche Betreuung sehr umfassend, aber leider nicht ausreichend bekannt. Sie müssen im medialen Diskurs hervorgehoben und auch im privaten Bereich präsent sein, z.B. durch Aushänge im Stiegenhaus nach Vorbild der SToP-Initiative. So wie die Corona-Hotline 1450 müssen die Notfallnummern für Kinder und Jugendliche bekannt gemacht werden. Nur so kann auch gewährleistet werden, dass die breiten Angebote der Kinder- und Jugendhilfe auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden.


Um die massive Gesundheitskrise im Kinder- und Jugendbereich einzudämmen, braucht es im Frühjahr, aber so früh wie möglich, einen Gipfel im Gesundheitsministerium, an dem Expert_innen der Kinder- und Jugendmedizin, der Kinder- und Jugendhilfe, die Vertreter_innen der Parlamentsparteien, der Kinder- und Jugendanwaltschaft, Bildungsexpert_innen sowie Eltern und Kinder und Jugendliche selbst teilnehmen, um ihre Einsichten und Erfahrungen der letzten Monate zu teilen und in den verschiedensten Bereichen Strategien und Lösungsansätze aus der Krise der Kinder- und Jugendgesundheit zu finden. Dabei ist es wichtig, diese Lösungsansätze nicht vom Verlauf der Corona-Pandemie abhängig zu machen und dort, wo notwendig, alle erforderlichen Mittel (Tests, Masken etc.) zur Verfügung zu stellen, um diese Strategien planungsgemäß umzusetzen. Kinder und Jugendliche müssen gleichwertig an erster Stelle mit den Risikogruppen der Corona-Pandemie stehen, weitere Pannen und Verzögerungen können wir uns nicht mehr leisten.


Werden Schulen krisenbedingt geschlossen oder in den Schichtbetrieb versetzt, hält das Lehrpersonal weiterhin regelmäßigen Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen und zwar in Form eines persönlichen Gespräches per Telefon oder via Internet. Dadurch bleibt der direkte Zugang zu den Kindern und Jugendlichen aufrecht und es kann leichter erkannt werden, wenn Kinder und Jugendliche unter Problemen leiden. Sind Kinder und Jugendliche über eine Woche nicht erreichbar, wird automatisch eine präventive Meldung an die jeweilige Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung erstattet. Im Zuge der Wiederöffnung der Schulen muss das Lehrpersonal im besonderen Maße auf etwaige Verhaltensänderungen der Schüler_innen im Vergleich zur Zeit vor den Schul-Lockdowns achten und im Falle von negativen Veränderungen umsichtig und entsprechend reagieren.


Kinder- und Jugendpsycholog_innen werden nach der Wiederöffnung von Schulen und Kindergärten vor Ort sein, um aktiv in den Klassen und Kindergruppen Sensibilisierungs- und Aufklärungsgespräche zu den Auswirkungen der Corona-Krise zu führen, Fragen zu beantworten und jenen Kindern und Jugendlichen weitere Hilfe zukommen zu lassen, die aktiv ansuchen oder Anzeichen psychischer Belastung, Vernachlässigung oder Gewalt aufweisen. Dieses Angebot muss niederschwellig und flächendeckend für alle Kinder und Jugendlichen egal welchen Alters zur Verfügung stehen, die Hilfe benötigen.


Das Lehr- und Kindergartenpersonal wird, z.B. in Form eines Handouts, von den zuständigen Behörden über die möglichen Auswirkungen der Corona-Krise auf die psychische und physische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen informiert. Dadurch sollen Anzeichen psychischer oder physischer Gewalt leichter erkannt und das Lehr- und Kindergartenpersonal im Umgang mit diesen Themen unterstützt werden.


Die Politik muss diesmal bereits frühzeitig Konzepte vorlegen, die die verlässliche Betreuung von Kindern und Jugendlichen über die Sommermonate ermöglichen. Nach einem Jahr Corona-Krise, vielen Monaten im Home-Schooling und dem Verzicht auf soziale und familiäre Kontakte außerhalb der eigenen vier Wände muss Kindern und Jugendlichen im Sommer dringend psychische und physische Erholung ermöglicht werden. Das Betreuungsangebot muss daher sowohl spielerische Aktivitäten, Unternehmungen und Bildungsangebote enthalten, die es den Kindern und Jugendlichen innerhalb ihrer Peer-Group ermöglichen, Stress, Angst und Überlastungsgefühle des vergangenen Jahres abzubauen. Daher sollen in Kleingruppen auch Ausflüge und andere Freizeitbetätigungen während der Sommerferien für Kinder und Jugendliche organisiert und gefördert werden, z.B. nach Vorbild des alljährlichen Ferienpasses.


Es ist unbedingt notwendig, die vor der Krise geplanten Investitionen für Schulen mit besonderen Herausforderungen rasch umzusetzen. Die sozialen, personellen und bildungsbezogenen Herausforderungen wurden durch die Krise verschärft, benachteiligte Kinder und Jugendliche sowie deren Familien stehen noch schlechter da. Die Kinder und Jugendlichen, die nach der Wiederöffnung der Schulen wieder im Klassenzimmer sitzen, haben monatelange Ausgangsbeschränkungen, Bildungsentgang, soziale Isolation und nicht selten familiäre Belastungen hinter sich. Selbst wenn viele von ihnen auf die Unterstützung der Eltern beim Lernen und Aufgaben machen zählen können, ist das längst nicht in allen Haushalten möglich, und Eltern können pädagogisch geschultes Lehrpersonal natürlich nicht ersetzen. Es braucht daher dringend die Umsetzung bereits geplanter und zusätzlicher Investitionen im Bildungsbereich und somit in unsere Kinder und unsere Zukunft.

 

Kinder und Jugendliche haben keine Lobby, keine mächtigen Fürsprecher und sie brauchen uns, um ihre Interessen, ihre Gesundheit und ihr Leben zu schützen.