« Zurück zur Übersicht

Mariahilferstraße neu: die Gefahr einer vertanen Chance

Nun ist es endlich soweit und endlich dürfen die Bürgerinnen und Bürger mitreden. Es gilt jedoch hopp oder drop(p) die Fußgängerzone.

Das ist insoferne beunruhigend, als andere Beispiele (schlecht eingesetzter) Elemente direkter Demokratie gezeigt haben, dass ein Thema danach jahrelang vom Tisch ist – so zB die Frage der Wehrpflicht oder eine Citymaut.

Wenn jetzt die Befragung negativ hinsichtlich der Verkehrsberuhigung ausgeht, dann war’s dann wohl auf absehbare Zeit mit der Mahü. Das wäre Schade, ja geradezu eine vertane Chance. Wie die ganze Chose insgesamt eine einzige vertane Chance ist.

Stadtplanung muss heutzutage in ständigem Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern passieren. Zugegeben – die Grünen haben Dialogrunden gemacht auch vor der probeweisen Einführung der Fuzo. Wirkliche Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger war das jedoch nicht, zumal man ja ein gewünschtes Ergebnis durchpeitschen sollte, das ja in der Dimension kein reines Stadtplanungsprojekt ist sondern DAS Prestigeprojekt der Wiener Grünen in der Stadtregierung.

Viel wurde schon geschrieben darüber, ob man ein derartiges Projekt überhaut probeweise einführen kann. Ich behaupte: ohne bauliche Maßnahmen, nein. Und dann wäre es kostenmäßig nur schwer erklärbar, dass es probeweise passiert. Aber eine Fußgängerzone muss ausschauen wie eine, sich anfühlen wie eine und ich persönlich habe meinen Kleikindertest: würde ich meine Kinder dort herumlaufen lassen? Nein, würde ich nicht. Dann fehlt aber das Entscheidende: nämlich das Gefühl dafür, was eine Fuzo bringen kann.

Und da komm ich zum springenden Punkt: zum Gefühl. Die Grünen haben es verabsäumt Lust auf da Projekt zu machen. Lust durch Beteiligung, durch Mitgestaltung. Was hätte man machen können? Wettbewerbe für die Gestaltung des öffentlichen Raums, Ideenaufruf für Kunst im öffentlichen Raum Projekte. Skizzen und Modelle (bitte mit Kostenrechnungen!!! – in einer dermaßen verschuldeten Stadt ein unbedingtes MUSS), die man lustvoll zeigen hätte können und dann die Bürgerinnen und Bürger befragen. Ja die Bürgerinnen und Bürger – und selbstverständlich auch die Unternehmen dort – wirklich beteiligen am Prozess. Lustvoll, inklusiv, ergebnisoffen.
Jetzt wird einiges nachgeholt. Jetzt kursieren Videos und jetzt werden hunderttausende Euro in Kampagnen gesteckt, die selbstverständlich alle die Gefühlswelt ansprechen sollen. Das Geld wäre in einem Vorzeigebeteiligungsprozess, der Vorbildcharakter hätte entwickeln können, besser investiert gewesen…..

Wir NEOS sind für das Projekt. Warum? Rein prinzipiell weil die Zukunft der Stadt – einer wachsenden Stadt – nicht in Durchzugsstraßen liegen kann. Weil Stadtplanung heutzutage Begegnungsräume schaffen muss und einen lebendigen, erlebbaren und lustvollen öffentlichen Raum gestalten soll. Weil es um die Lebensqualität der Menschen geht und nicht, um das bessere Fortkommen der Autos.

Allerdings darf keine unüberwindbare Mauer entstehen. Querungen sind mit Sicherheit sinnvoll.

Ob Radfahrer dort fahren sollten (ich unterstelle, dass es den Grünen primär überhaupt um die gegangen ist, denn als Radfahrerin kann ich sagen, dass die Mahü schwierig war, denn die Fahrbahn war simpel zu eng für Autos und Radfahrer und die Steigung stadtauswärts führt dazu, dass die Radfahrer auch langsam unterwegs sind), kommt darauf an. Worauf? Welche baulichen Maßnahmen man setzen kann um zu verhindern, dass es ein Rad – Highway wird. Hier kommt wieder mein Kleinkindertest ins Spiel…

Ich halte es für wichtig klar Position zu beziehen. Nur zu kritisieren ist zu wenig.

Verkehrsberuhigung ja.

Ich mach die Augen zu und sehe eine lebendige Straße, mit Cafés und Sitzmöglichkeiten, mit Kunstprojekten und Kindern, die spielen. Ich sehe Interaktionen, Gespräche. Und ich sehe einen Regionalmarkt, der jeden Samstag auf der Mahü Stellung bezieht. Aber zugegeben: wenn ich die Augen schließe, dann scheint über der Mahü immer die Sonne :-)