« Zurück zur Übersicht

Österreichs Soldaten im Kosovo

Seit 1999 beteiligt sich Österreich an der KFOR-Mission im Kosovo. Unsere Soldaten sind seit Jahren ein wichtiger Garant für Sicherheit, und bei Serben, wie auch bei Kosovo-Albanern anerkannt. Wir stellen mit rund 550 Soldaten und Soldatinnen das größte nicht-NATO Kontingent der Mission. Untergebracht sind unsere Soldaten im sogenannten Camp Film City, einem ehemaligen Filmstudio. Dort werden wir von Oberst Zauner, dem derzeitigen Kommandanten des österreichischen Kontingents empfangen.  Gemeinsam mit amerikanischen, deutschen und britischen Kollegen erläutert er uns die Aufgaben und Ziele der Mission. Man versucht, sich mittlerweile im Hintergrund zu halten, in erster Linie sollen die kosovarischen Sicherheitskräfte die Lage sichern. Nur wenn diese überfordert sind, greift die KFOR ein. Ziel ist es umfassende Sicherheitsstrukturen aufzubauen um langfristig das Land in die volle Autonomie zu entlassen. Bis dahin ist es aber noch weiter Weg. Denn dem Aufbau von kosovarischen Streitkräften muss eine Verfassungsänderung vorrausgehen. Dem müsste auch die serbische Minderheit zustimmen. Man munkelt jedoch, Belgrad werde das nicht so einfach zulassen.
kfor

Neben einem Briefing über die aktuelle Lage, werden wir auch Zeugen einer Geräteschau. Präsentiert werden uns ein Teil der Mannesausrüstung und Bewaffnung. Ein Trupp der Militärpolizei demonstriert die Evakuierung eines Verletzten und die Neutralisierung eines verschanzten Terroristen. Ich unterhalte mich im Anschluss mit einigen der Soldaten. Insbesondere die Sprengstoffexperten die mit Hilfe von modernster Technologie Bomben entschärften, haben mein Interesse geweckt. Die Ausbildung für diesen gefährlichen und hochkomplexen Job dauert bis zu 5 Jahre. Das Meisterstück zum Abschluss der Ausbildung, ist die manuelle Entschärfung, die berühmte Entscheidung „roter-oder-grüner-Draht?“.

Derart hochqualifiziertes Personal ist natürlich kostenintensiv. Langfristige Investitionen in Mensch und Material sind notwendig um dieses Niveau halten bzw. ausbauen zu können. Wie so oft wenn ich mit Soldaten des Bundesheeres spreche, berichten auch unsere Truppen im Kosovo von mangelnder Ausrüstung. Das jahrzehntelange Todsparen des Bundesheers macht sich auch hier bemerkbar. Auslandseinsätze wie dieser mögen zwar teilweise auf Unverständnis stoßen, sie sind aber enorm wichtig für Österreich. Denn erstens stabilisieren sie Regionen wie den Balkan, die für uns sicherheitspolitisch von großer Bedeutung sind. Andererseits sind sie auch wichtig für die Ausbildung unserer Offiziere und Soldaten. Sie machen so Erfahrung die sie auf einem Kasernenhof nicht nachstellen können. Das Aufrechterhalten unseres Engagements im Ausland, inklusive der Bereitstellung aller nötigen Mittel dazu, wäre daher Grundvoraussetzung einer Zeit- und Situationsgerechten Verteidigungspolitik. Ob die Bundesregierung dazu bereit ist wage ich auch nach dem Besuch im KFOR-Lager zu bezweifeln. Mein Vertrauen in unsere Soldaten wurde aber eindeutig bestärkt.

Ob unser Kontingent im Kosovo auch durch Soldaten von den Fidschi Inseln abgelöst wird?

Umso mehr schmerzt es, nach der Rückkehr nach Wien zu erfahren, wie unter dem neuen Verteidigungsminister unsere Armee zu einem Hilfsdienst der Polizei degradiert wird. Noch einige Jahre, und das Bundesheer wird nur mehr für die  Versorgung und den Transport (oder Abtransport – Stichwort Herkules Maschine) von illegalen Einwanderern Verwendung finden.  Ob dann unser Kontingent im Kosovo auch durch Soldaten von den Fidschi Inseln abgelöst werden wird, so wie am Golan?