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Schluss mit Ladenschluss – Grätzelbelebung leicht gemacht

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Die Diskussion über Freigabe der Ladenöffnungszeiten die jüngst in Wien entfacht wurde, ist gut und ein erster wichtiger Schritt. Aber die Diskussion darüber greift leider wie so oft zu kurz: Es geht nicht ausschließlich um die Sonntagsöffnungen in Tourismuszonen in Wien. Es geht nicht um Louis Vuitton im Golden Quarter sondern um die klein strukturierte Wiener Wirtschaft.

Es geht um die Seele Wiens. Und das sind die kleinen, lokalen Betriebe. Der Greißler oder Gewerbebetrieb ums Eck.
Mein Vorschlag beinhaltet die generelle Freigabe der Öffnungszeiten für unternehmergeführte Betriebe. Unternehmen mit Geschäftsflächen bis zu 200m² in ganz Österreich sollen frei über ihre Öffnungszeiten entscheiden können. Die wöchentlichen Höchstarbeitszeiten sowie die Zuschlagsregelungen für Arbeitnehmer bleiben selbstverständlich erhalten. Eine Aufweichung des Arbeitnehmerschutzes wollen wir nicht. Aber der Geschäftsinhaber muss sagen können: „Ich steh im Geschäft wann ich will.“

Keine Frage, eine Erweiterung der Öffnungszeiten in Tourismuszonen bringt dem Tourismusstandort was: Wir wissen aus einer Studie von Eco Austria, dass sich 61% der Touristen_innen erweiterte Öffnungszeiten wünschen würden. Eine Sonntagsöffnung bringt laut dieser Studie ein Plus von 41 Millionen Euro. Laut Hotelliervereinigung über 300.000 Übernachtungen plus.
Mir geht es um aber nicht um den Sonntag und nicht nur um den Tourismusstandort. Mir geht es um gesellschaftliche Anliegen: die Freiheit der Unternehmer_innen, die Sicherstellung einer Nahversorgung und um eine Grätzelbelebung.
Mir geht es darum, dass kleine Greißler oder Gewerbebetriebe derzeit einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den großen haben und eine Freigabe der Öffnungszeiten hier einen USP brächte.

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Seien wir ganz ehrlich: Der großartige Feinkostladen von Heinricht Höller, in dessen Geschäft wir heute unsere Vorschläge präsentieren durften, kann weder über die Produktpalette noch über den Preis gegenüber dem Gourmet Spar 20 Meter weiter punkten. Er hat einen Wettbewerbsvorteil, weil er direkt Service bietet und wenn er dann offen hat, wenn der Spar zu hat.
Zudem: Die vielen kleinen leerstehenden Erdgeschoß-Lokale könnten so endlich wiederbelebt werden. Sowohl das Grätzel als auch die Nahversorgung würden gewinnen. Kurze Wege haben darüber hinaus auch umwelt- und verkehrstechnische positive Effekte. Derzeit fördert man Staus und Autokolonnen rund um die Supermärkte bei Bahnhöfen am Sonntag. Wer schon mal beim Billa im Franz Josefs Bahnhof war weiß, wie lang die Schlange an Menschen dort oft ist und wie viele Autos um den Bahnhofskomplex kreisen.
Ziel der NEOS Initiative ist es, kleine Einzelhändler zu stärken. 93% der Handelsbetriebe haben 0-9 Mitarbeiter. Familiengeführte Kleinstbetriebe verfügen über ein hohes Maß an Arbeitszeitflexibilität. Die Freigabe der Ladenöffnungszeiten gekoppelt an die Ladengröße bringt Kleinstbetrieben ein Alleinstellungsmerkmal und einen Wettbewerbsvorteil gegenüber internationalen Ketten. Das Festmachen an der Betriebs bzw. Verkaufsfläche (wir schlagen 200qm vor) wird im Übrigen in Portugal, Finnland und Norwegen wird das so gemacht.

Also: Rollläden rauf. Schluss mit Ladenschluss für kleine Betriebe!

Dieser Beitrag wurde auch hier veröffentlicht: http://beatemeinl.com/2014/10/02/schluss-mit-ladenschluss-gratzelbelebung-leicht-gemacht/

  • Dabei hab ihr leider einiges vergessen: Ersten wünschen sich die Wiener Unternehmer keine solche Erweiterung der Öffnungszeiten. Das hat erst unlängst eine Umfage ergeben. Die Diskussion ist also müßig. Zweitens: Es ist schon sehr abgehoben, nicht von einer Aufweichung des Arbeitnehmerschutzes zu sprechen. Habt Ihr schon mal mit Angestellten aus dem Einzelhandel gesprochen? Die in manchen Fällen 50 oder gar 60 Stunden arbeiten, weil „sonst Firma kaputt“. Unbezahlt, unbemerkt und ohne Chance auf Änderung. Diese Zustände haben wir mit den heutigen Öffnungszeiten. Wie wird sich das ändern, wenn der mittelgroße „Greissler“ – welche verquere Sozialromantik – seine 10 Angestellten vor die Alteranative stellt „Sunday – or go!“? Das habt Ihr Euch nicht so richtig überlegt, oder? Und zuletzt: Wer will das? Wer will unbedingt am Sonntag seine Wurstsemmel einkaufen? Die Tourismuszonen-Regelung gibt es schon, Bürgermeister Häupl müsste nur sein OK geben. Es ist also alles da, was Bürger, Touristen und Unternehmer brauchen. Belassen wir es dabei! Ein besorgter Bürger und NEOS-Wähler

  • sh4dow83

    Mir persönlich ist das mit den 200m² nicht genug. In London oder Toronto haben viele größere Läden Sonntags offen, manchmal sogar 24/7, warum also nicht in Wien? Das Argument, dass es nicht genug Einwohner gäbe, halte ich für gewagt, denn z.B. nur im Zentrum Londons leben auch nicht SO viele. Die Anzahl und Größe der Wohnhäuser ist ähnlich wie in Wien.
    Und im Tesco z.B. auf der Pentonville Road traf ich nie Touristen an. Jedenfalls keine Offensichtlichen und das Geschäft überflutet haben sie auch nicht. Es war am Sonntag genauso viel los wie sonst auch.

    Und alle anderen Argumente, wie das von Romans angeführte von 50-60 Stunden pro Woche Arbeit, finde ich noch weniger gerechtfertigt. Dass viele Firmeneigentümer gierig sind und ich deshalb zugleich auch für eine Verschärfung des Gesetzes zum Thema Überstunden wäre, hat im Grunde wenig mit den Öffnungszeiten zu tun. Gerade Konzerne wie Rewe könnten es sich locker leisten, mehr Leute nur für das Wochenende einzustellen.