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Sportpolitik im Fall Fenninger/Mercedes/ÖSV/Schröcksnadel

17.06.2015 Niko Alm

Wie weit ist Sport Privatsache, wie weit dürfen und müssen wir von einem geförderten Sportverband Transparenz verlangen? Wie weit ist es uns als Politik gestattet, vertragliche Vereinbarungen von Athletinnen und Athleten mit Vereinen und Verbänden zu kommentieren oder mit inhaltlichen Forderungen zu verbinden?

Die Causa Fenninger/Mercedes/Schröcksnadel/ÖSV (Reihenfolge ohne Bedeutung) kann als Anlass genommen werden, die Grenzen der politischen Intervention auszuloten und Evaluierung der Rahmenbedingungen  zu adressieren

Unsere Position aus der Themengruppe Sport dazu:

Grundsätzlich: die Vereinbarungen zwischen Anna Fenninger und dem ÖSV sind Außenstehenden weitgehend unbekannt, deshalb steht es uns als politischer Partei nicht zu, diese konkreten Vereinbarungen und die daraus resultierenden Konsequenzen zu kommentieren.

Allerdings wurden im Zuge der Auseinandersetzung einer österreichischen Spitzenathletin mit einem (zum Teil aus öffentlichen Mitteln finanzierten) Sportverband von Seiten der Sportlerin Vorwürfe getätigt, die – sofern sie den Tatsachen entsprechen – ein Eingreifen der Politik angemessen erscheinen lassen. Von der BSO anerkannte Fachverbände sind ein Bestandteil zu einem Gutteil staatlich finanzierter Sportstrukturen mit klaren Aufgabenstellungen. Es liegt an Juristen, zu prüfen, ob die Vorwürfe Gesetzesverletzungen oder eine Verletzung der Förderrichtlinien bedeuten. Ungeachtet dessen ist es von nationalem Interesse, dass Spitzensportlerinnen und Spitzensportler ihre Tätigkeit im Rahmen der Strukturen möglichst leistungsfördernd ausüben können und die Aufgabe der Verbände ist es, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit dies auch möglich ist. Alles andere stünde im Widerspruch zu der staatlichen und von allen politischen Parteien getragenen Sportförderung. Die Sportlerinnen und Sportler haben im Mittelpunkt zu stehen, die „Funktionäre“ sind in ihren Ämtern, um dieses Funktionieren zu ermöglichen.

Die Auseinandersetzungen zeigen einmal mehr, dass die bestehenden Sport-Strukturen zwar im internationalen Vergleich sehr kompliziert und teuer sind, aber den heutigen Anforderungen des Spitzen- und Breitensports nur unzureichend entsprechen. Der Sport muss von parteipolitischer Einflussnahme möglichst freigehalten werden, aber der Sport hat in vielen Bereichen eine höchst politische Dimension. Im konkreten Fall wäre es zu hinterfragen, ob die handelnden Personen auf Seite des Verbandes überhaupt in der Lage sind, die ihnen übertragenen Aufgabenstellungen noch zufriedenstellend zu erfüllen, oder ob nicht gravierende Interessenkonflikte bestehen, die mit den Aufgaben in einem offiziellen, mit öffentlichen Mitteln gefördertem Verband, unvereinbar sind.

Eine erste Konsequenz und erster Schritt zur Entwirrung und Entflechtung persönlicher und politischer Interessen im Sport in Österreich, hin zu mehr Transparenz und Professionalität, wäre die Abberufung des Unternehmers Peter Schröcksnadel aus all seinen, von Sportminister Klug eingesetzten Funktionen. Dies be­trifft u. a. die Funk­ti­on des Koo­di­na­tors für Rio 2016 und als Organ im BSFF. Die Ent­schei­dung über den Ver­bleib als Vizepräsident des ÖOC und als ÖSV-Prä­si­dent hin­ge­gen ob­liegt dem ÖOC und ÖSV bzw. deren Mit­gliedern.